Mut und Durchhaltevermögen

27. August 2012 von JK

Nach wie vor wagen nur wenige Menschen den Schritt aus einer vermeintlich sicheren Festanstellung in die möglicherweise unsichere Selbstständigkeit. Doch eine Existenzgründung kann sich für jeden lohnen, der gute Ideen, Kreativität, Mut und Durchhaltevermögen hat.

Chance oder Risiko

Neben einer guten Idee gehören vor allem Mut und Durchhaltevermögen zu einer erfolgreichen Existenzgründung. Nicht jeder Existenzgründer findet sofort eine Marktlücke oder eine Nische, mit der er bereits im ersten Geschäftsjahr aus den roten Zahlen kommt. Nur wer einen gewissen Grad an Risikobereitschaft mitbringt, für den stellt die Selbstständigkeit eine Chance dar – andernfalls wird die Selbstständigkeit als nicht erstrebenswertes Risiko betrachtet.

In Deutschland trauen sich derzeit nur wenige den Schritt in die Selbstständigkeit zu. Zwar verweisen die Statistiken für die vergangenen Jahre einen massiven Anstieg der Selbstständigen, doch vor dem Hintergrund des großen Potentials vieler Arbeitnehmer, könnte die Quote um ein vielfaches höher liegen. Beispielsweise die Quote der Existenzgründer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren liegt bei nur 1,8 Prozent! Deutschland ist auf Platz 18 auf der Liste der 22 innovationsbasierten Volkswirtschaften des Global Entrepreneurship Monitor (GEM)– und das obwohl Deutschland über das dichteste Netz aus staatlichen Förderprogrammen der 22 untersuchten Staaten verfügt.

Gründerzahlen

In 2011 machten sich ca. 400.000 Menschen in Deutschland selbstständig. Dazu kommen noch einmal ca. 440.000 nebenberuflich Selbstständige. Nach Angaben des Gründungsmonitors der KfW sank die Existenzgründerquote im Vergleich zum Vorjahr. Diese Entwicklung führen die Gründerexperten vor allem auf die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt und das allgemeine Wirtschaftswachstum zurück. Allerdings flaute sich die konjunkturelle Entwicklung gegen Jahresende 2011 ab, was den Rückgang der Gründerzahlen gegenüber 2010 erklären lässt.

Für das Jahr 2012 erwarten die Experten vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) den größten Rückgang der Gründerzahlen seit der Wiedervereinigung.

Durchhaltefähigkeit

Existenzgründer müssen damit rechnen, dass sie im ersten Jahr zunächst keinen oder kaum Gewinn machen werden. Statistisch gesehen verdienen Gründer im zweiten Jahr ihrer Selbstständigkeit knapp 500 Euro im Monat und im dritten und vierten Jahr ca. 20.000 Euro im Jahr. Vor allem für Festangestellte ist dies einer der Hauptgründe auf den Schritt in die Selbstständigkeit zu verzichten. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) verdienen nur etwa 40 Prozent aller Jungunternehmer nach drei Jahren mit ihrer Selbstständigkeit mehr als vorher.

Durchhalten lohnt sich, obwohl nach einem Jahr etwa 15 Prozent der Gründer bereits wieder aufgegeben haben. Nach drei Jahren, so der Gründungsmonitor, sind etwa ein Drittel der Gründer nicht mehr am Markt und nach fünf Jahren sind nur noch 50 Prozent der einstigen Existenzgründer aktiv. Doch wer es bis dahin geschafft hat, hat sich dauerhaft am Markt etabliert und kann die Früchte seiner Existenzgründung ernten. Die Durststrecke der Anfangsjahre ist überwunden und die Selbstständigkeit rentiert sich.

 

(Bild: duxschulz / pixelio.de)

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Eine Reaktion

  1. Tom

    Eine Frage die sich bei den oben genannten Zahlen stellt ist:
    Warum nehmen nur so wenige Gründer professionelle Hilfe bei Ihrer Existenzgründung an. Nur ca. 7% aller Gründer lassen sich durch einen geförderten Berater in der Startphase unterstützen.

    Seit quasi Wegfall des Gründunguschuss ist diese Quote noch geringer.

    Im Wirtschaftsleben in großen Unternehmen ist die Einbeziehung externer Experten aufgrund fehlenden Fachwissen, fehlenden temporär verfügbaren Mitarbeitern längst Standard.

    Aber Gründer nutzen dies nicht, obwohl die starke Infrastruktur im GEM Report immer wieder positiv bescheinigt wird.

    Das Problem liegt also eher im Kopf - denn an der realen Situation.

    Gruss Tom

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