Liquiditätsengpässe umgehen

2. April 2012 von JK

Säumige Kunden sind nicht nur ärgerlich, sie stellen gerade für Existenzgründer und junge Unternehmen ein existenzbedrohendes Problem dar. Vor allem jungen Unternehmen geht schnell das Geld aus, wenn Kunden nicht pünktlich bezahlen und die Bank keinen Kredit zur Überbrückung gewährt. Durch einen Verkauf offener Forderungen, können Unternehmen gefährliche Liquiditätsengpässe umgehen.

Factoring

Beim Factoring verkaufen Unternehmen ihre offenen Forderungen an Factoring-Unternehmen. Die Unternehmen müssen dabei einen Abschlag auf ihrer Forderungen in Kauf nehmen, bekommen aber schnell frisches Kapital und können dadurch Liquiditätsengpässe umgehen. Darüber hinaus bieten viele Factoring-Anbieter an, das komplette Forderungsmanagement eines Unternehmens zu übernehmen. So eine Dienstleistung lohnt sich aber erst ab einem gewissen Umsatz, da sonst die Kosten für ein das Forderungsmanagement im Missverhältnis zu den ausstehenden Forderungen stehen.

Factoring gehört für viele klein- und mittelständische Unternehmen heute fest zur Unternehmensfinanzierung. Immer mehr Unternehmen verschaffen sich durch Factoring Luft. Anders als die klassische Hausbank schauen Factorer nicht auf zusätzliche Sicherheiten des Unternehmens, sondern legen ihr Augenmerk vor allem auf die Qualität der Forderung, also der Zahlungsfähigkeit der säumigen Schuldner des Unternehmens.

Das heißt aber nicht, dass die Bonität des Unternehmens für den Factorer keine Rolle spielt. Vor Abschluss eines Factoring-Vertrages überprüft das Factoring-Unternehmen die Bonität der Factoring-Abnehmer, bevor der Factorer das Ausfallrisiko der Forderungen übernimmt. Eine weitere Bedingung für die Übernahme von Forderungen ist, dass diese Forderungen frei von Rechten Dritter sind.

Vorteile des Factorings

Vor allem für Existenzgründer und junge Unternehmen mit guter Auftragslage und knapper Liquidität empfiehlt sich Factoring als Finanzierungsalternative. Der Deutsche Factoring-Verband registriert seit einiger Zeit, dass Factoring zunehmend beim Mittelstand als Finanzierungsinstrument eingesetzt wird. Der Einsatz von Factoring dient dabei nicht nur der Liquiditätssicherung, sondern auch der Unabhängigkeit gegenüber Banken. Darüber hinaus sind Factoring-Nehmer über die Factoring-Gesellschaft vor Zahlungsausfällen geschützt.

Da beim Factoring in der Regel binnen 48 Stunden der Factoring-Nehmer sein Geld bekommt, ist dieses Instrument deutlich flexibler als ein klassisches Darlehen. Dadurch können Unternehmen ihre Bonität und ihr Rating deutlich verbessern. Durch Factoring können sich Unternehmen gegenüber Kreditinstituten einen gewissen Verhandlungsspielraum verschaffen, um so vielleicht günstigere Konditionen für ein Darlehen auszuhandeln. Darüber hinaus können durch Factoring beispielsweise Lieferanten schneller bezahlt und dadurch Skonto oder andere Rabatte in Anspruch genommen werden.

Für wen lohnt sich Factoring?

Ob sich für ein Unternehmen Factoring lohnt, muss von Fall zu Fall geprüft werden, da bis zu 50 Parameter in die Kalkulation eines Factoring-Angebotes einfließen. Bei dieser Frage kann u.a. ein sogenannter Factoring-Broker das Unternehmen unterstützen. Dieser überprüft, ob das Unternehmen überhaupt factoringfähig ist. Vor allem lohnt sich Factoring für Unternehmen mit einem breiten Kundenkreis als wenn das Geschäft von einigen wenigen Anbietern abhängt. Factoring lohnt sich außerdem für Unternehmen erst ab einem Forderungsvolumen von 200.000 Euro. Darunter wird es schwer sein, überhaupt passende Angebote zu finden.

Unternehmen, die auf Factoring zurückgreifen wollen, sollten sich einen persönlichen Eindruck vom Factorer machen. Technische Frage nach den vorhandenen IT-Systemen und Web-Anbindungen sind ebenso wichtig, um beispielsweise festlegen zu können, in welchem Rhythmus der Factorer Forderungen begleichen soll. Mit dem Factoring-Unternehmen sollte auch geklärt werden, ob beispielsweise aus dem Forderungsmanagement bestimmte Kunden oder Forderungen ausgenommen werden können etc. Außerdem sollten Unternehmen darauf achten, dass das Factoring-Unternehmen bei Zahlungsausfällen uneingeschränkt haftet.

Ein Qualitätsmerkmal des Factorers ist die Mitgliedschaft in einer der beiden deutschen Branchenverbände, dem Deutschen Factoring-Verband und dem Bundesverband für Factoring im Mittelstand, da beide Verbände auf ein hohes Maß an Seriosität ihrer Mitglieder achten.

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