Woran man vor der Existenzgründung denken sollte

12. Dezember 2011 von JK

Selbstständigkeit ist nicht unbedingt risikoreicher als eine Festanstellung, wie Firmenpleiten auch großer Unternehmen Arbeitnehmern immer vor Augen führen. Aktuell sinkt die Zahl der Arbeitslosen, aber auch die der Selbstständigen. Dabei wird das Klima für eine Existenzgründung von Experten derzeit als günstig betrachtet. Wer also mit dem Gedanken an eine Selbstständigkeit spielt, sollte sich vorher einige Fragen durch den Kopf gehen lassen.

Grund: Aus welchem Grund möchte man sich selbstständig machen? Für das Gelingen einer Existenzgründung ist die Motivation von entscheidender Bedeutung. Am erfolgreichsten sind vor allem die Gründer, die sich aus intrinsischen Motiven zur Selbstständigkeit entschieden haben.

Geschäftsidee: Mit der Geschäftsidee steigt und fällt jede Selbstständigkeit. In Form eines Business-Plans sollte das Vorhaben genau formuliert werden, was man anbieten oder herstellen möchte. So ein Business-Plan ist nicht nur ein Muss bei der Finanzierung, sondern er hilft auch dabei, sich über die eigenen Ziele und Visionen klarzuwerden. Darüber hinaus hat die schriftliche Fixierung der Idee eine stärkere bindende Wirkung als reine Gedankenspiele.

Investitionen: Am Anfang sollte sich jeder Existenzgründer fragen, wie viel er zu investieren bereit ist. Dabei geht es nicht vordergründig um finanzielle Aspekte, sondern was der Existenzgründer an Zeit und Energie in sein Vorhaben stecken möchte. Wer glaubt, dass eine Selbstständigkeit weniger Arbeit als eine Festanstellung bedeutet, der irrt. Vor allem in der Anfangsphase standen bei vielen erfolgreichen Existenzgründern „Schweiß, Blut und Tränen“. Selbstständigkeit bedeutet zwar auch viel Freiheit, aber auch genauso viel Arbeitseinsatz. Ein Acht-Stunden-Tag, wie man ihn aus einer Festanstellung kennt, wird in der Startphase kaum zum Erfolg führen.

Finanzierung: Hier her gehört die Frage nach dem Startkapital. Wie viel Eigenkapital hat der Gründer, wie viel Fremdkapital braucht er, um erfolgreich in die Selbstständigkeit zu starten. Mögliche Finanzierungsalternativen finden Gründer u.a. hier im Blog.

Start: Was braucht man als Existenzgründer am Anfang seiner Selbstständigkeit? Hier geht es nicht nur um Kapital, sondern vor allem um Produktionsmittel, Güter/Waren/Dienstleistungen und Ausstattung. Werden Büroräume, IT, Software, Mitarbeiter, Zulieferer, Marketing und Selbstmarketing etc. benötigt? Nicht bei allen Geschäftsideen reichen ein Laptop und eine Internetverbindung aus. In der Regel sind mit einer Existenzgründung daher auch Anschaffungen und Kosten verbunden.

Kunden: Wie finde ich meine (ersten) Kunden für mein Produkt/Dienstleistung? Auch wenn bei vielen die Hemmschwelle hoch ist: Die meisten erfolgreichen Existenzgründer haben zuerst ihr familiäres Umfeld, Verwandten-, Bekannten- und Freundeskreis als erste Kunden gewonnen. Diese Menschen sind in der Regel sehr schnell bereit, die Selbstständigkeit auf unterschiedliche Art und Weise zu unterstützen. Darüber hinaus sind sie nicht nur zahlende Kunden, sondern auch unbezahlbare Multiplikatoren und Werbebotschafter für das eigene Unternehmen. Eine persönliche Empfehlung hat noch immer einen viel stärkeren Einfluss auf eine Kaufentscheidung, als irgendein Flyer oder ein schöner Internetauftritt.

Unterstützung: Was oben bereits angedeutet wurde, ist gerade in der Startphase unverzichtbar: die Unterstützung des unmittelbaren Umfeldes. Familie und Freunde sind ein wichtiges Netzwerk, auf das sich jeder Existenzgründer verlassen können sollte. Sie sind in der Regel die Ehrlichsten und heftigsten Kritiker und bieten so Perspektiven an, die man selbst vielleicht bisher vernachlässigt hat oder gar nicht betrachtet hat („blinde Flecken“).

Erfahrungen anderer: Netzwerke sind in unserer heutigen Gesellschaft unverzichtbar. Darum sollte sich jeder Existenzgründer die Frage stellen, ob er nicht von den Erfahrungen anderer (erfolgreicher) Existenzgründer profitieren kann. Dies erfordert zum einen ein gutes Verhältnis zu diesen Personen, damit man von ihren Erfahrungen lernen kann und zum anderen ein hohes Maß an Selbstreflexion und die Fähigkeit zum Lernen am Modell.

Beratung: Für Existenzgründer und Selbstständige gibt es vielerlei Beratungs- und Unterstützungsangebote. Diese Unterstützung ist unverzichtbar, wenn man sich nicht im Vorschriften- und Paragraphendschungel verirren möchte. Ein Einfaches „So, ich bin jetzt selbstständig“ reicht in Deutschland nicht aus. Es gibt viele Vorschriften und Gesetze – nicht nur im Vorfeld einer Gründung – zu beachten. Ausführliche Beratung sollte auf jeder Agenda eines Gründers stehen. Informationen zu Beratungsstellen erhält man bei jeder lokalen Arbeitsagentur, bei der IHK, Handwerkskammer, regionalen Wirtschaftsförderungen oder im Internet.

Zukunftsvision: Helmut Schmidt sagt einmal: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!“ Wie wichtig aber Visionen für das eigene Unternehmen sind, zeigt ein Blick in die Biografien unterschiedlicher Top-Manager und Unternehmenslenker. Im Gegensatz zur Geschäftsidee geht es hierbei um eine langfristige Vision. Ziele und Visionen beschränken sich im Business-Plan in der Regel auf die ersten drei Jahre (kurz- bis mittelfristig). Langfristige Visionen richten aber ihren Blick z.B. auf die nächsten fünf Jahre. Wahrscheinlich wird die Realität später von dem heute gemachten Bild abweichen; viel wichtiger jedoch ist, eine Idee von der Zukunft zu haben und kontinuierlich auf dieses Ziel hinzuarbeiten.

Tags: , , , , , , , , , , , , , , ,
Abgelegt in: Aktuelles

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten: Die Kommentar-Moderation ist eingeschaltet, deshalb könnte Ihr Beitrag etwas später veröffentlicht werden. Sie brauchen Ihren Kommentar nicht mehrmals abzugeben.