Wann Gründer und Selbstständige einen Anwalt brauchen (II)

14. Oktober 2011 von JK

Viele Existenzgründer und Selbstständige scheuen sich davor, einen Anwalt zu Rate zu ziehen – zumindest wenn sie keinen Anwalt in der Familie oder im näheren Verwandten- und Bekanntenkreis haben. In der Regel holen sie sich erst einen Anwalt, wenn ein Streitfall vor Gericht zu kommen droht. Dabei kann ein Anwalt bereits im Vorfeld verhindern, dass Konflikte vor Gericht ausgetragen werden müssen.

Allgemeine Geschäftsbedingungen

Auch bei der Erstellung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), Klauseln und Hinweisen, die auf Rechnungen oder auf dem Internetauftritt (z.B. Impressum) zu finden sind, kann ein Anwalt bereits vorab mögliche Fallstricke entschärfen. AGB dürfen etwa keine überraschenden Klauseln beinhalten und müssen in das Vertragsverhältnis eingebunden sein, um wirksam zu sein.

Ähnliches gilt für das Online-Marketing und die Verwendung von E-Mail-Adressen von Kunden für Werbezwecke. Bevor die Adressen verwendet werden dürfen, müssen die Adressinhaber ihr Einverständnis dazu erteilen. Verwendet man die Adressen ohne vorherige Zustimmung, kann es schnell teuer und für Gründer sogar existenzbedrohend werden. Ähnlich verhält es sich auch bei den Widerspruchsrechten der Kunden. Diese müssen ausreichend über ihre Rechte aufgeklärt werden, sonst können sie Bestellungen noch zu einem späteren Zeitpunkt wieder rückgängig machen. Ebenfalls wichtig sind Firmen- und Produktnamen, die vielleicht anderweitig verwendet werden sowie Lizenzrechte an Bildern und Texten.

Die Gefahr bei Musterverträgen besteht darin, dass diese die aktuelle Rechtsprechung nicht mehr berücksichtigt wurde, wenn die Musterverträge schon zu alt sind. Dann kann es passieren, dass solche Muster veraltete oder überholte Klauseln enthalten, gegen die Kunden, Wettbewerber oder Andere vorgehen können. Spätestens dann braucht der Unternehmer einen Anwalt. Und natürlich immer dann, wenn man selbst in seinen Rechten verletzt wird.

Zahlungsausfall

Früher oder später wird jeder Selbstständige damit konfrontiert, dass ein Kunde nicht zahlen kann oder will. Für das Erwirken eines Mahnbescheides ist ein Anwalt nicht notwendig, doch wenn der Kunde Widerspruch dagegen einlegt, ist ein Anwalt fast unumgänglich, wenn man nicht auf seinen Anspruch verzichten kann. Das gleich gilt natürlich auch andersherum, wenn man sich selbst vor ungerechtfertigten Forderungen schützen möchte.

In der Regel kann man sich solchen Ärger ersparen, wenn man Verträge mit Kunden, Lieferanten, Kooperationspartnern etc. vorher mithilfe eines Anwalts ausgehandelt und gestaltet hat. Darüber hinaus kann sich die Gegenseite dann nicht mehr darauf berufen, dass ein Teil der Vereinbarungen ungültig oder missverständlich formuliert wurde.

Guter Rat ist teuer

Die Hilfe eines Anwalts kann mitunter eine nicht ganz billige Angelegenheit werden. Wurde nichts anderes vereinbart, erfolgt die Abrechnung über die „Gebührenordnung“. Das kann mitunter zu nicht vorhergesehenen Kosten führen. Aber auch Stundenhonorare liegen in der Regel bei 150 Euro und mehr. Am besten ist es, wenn man eine Pauschale mit dem Anwalt vereinbaren kann, beispielsweise für die Erstellung von Verträgen. Allerdings lässt sich nicht jeder Anwalt auf solche Vereinbarungen ein.

Wichtig aber ist, dass die Beratung durch einen Anwalt erst beginnt, wenn die Honorarfrage geklärt wurde. Die Auftragserteilung von Verträge und andere Aufgaben kann per Telefon vorgenommen werden, da dafür die Präsenz des Auftraggebers nicht unbedingt notwendig ist – die gesparte Zeit kann der Existenzgründer daher für wichtigere Angelegenheit verwenden.

Qualität

Die Qualität eines Anwaltes lässt sich nur schwer beurteilen. Ein hohes Stundenhonorar verweist längst nicht auf zuverlässige Arbeit. Am besten fragen Existenzgründer andere Gründer und Selbstständige nach ihren Erfahrungen mit Anwälten und entsprechenden Empfehlungen. Dem Anwalt sollte man eine längere Zusammenarbeit signalisieren. Dadurch kann sich eine Vertrauensbasis entwickeln und der Unternehmer weiß, an wen er sich in speziellen Situationen wenden und den passenden Rat erhalten kann.

Nicht jeder Vorschlag eines Anwalts – trotz gutem Verhältnisses – sollte unkritisch umgesetzt werden. Durch Rückfragen können Verständnisschwierigkeiten ausgeräumt und die Bedeutung einzelner Reglungen verdeutlicht werden. Wichtig ist aber auch zu akzeptieren, wenn nicht alle Vorstellungen zulässig oder rechtlich durchsetzbar sind. Im Laufe der Zeit entwickeln viele Selbstständige ein Gespür für die juristischen Folgen ihres Handelns und gestalten entsprechende Vereinbarungen zu ihren Gunsten oder vermeiden Haftungsrisiken und unangenehme Überraschungen.

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