Nach der Krise Angst um das Rating

Der Mittelstand ist relativ gut durch die Wirtschaftskrise gekommen. Viele mittelständische Unternehmen wurden vom Aufschwung erfasst und konnten die Krise mittlerweile als überwunden verbuchen. Allerdings haben sich die Auswirkungen der Krise in vielen Geschäftsberichten niedergeschlagen. Nicht wenige mittelständische Unternehmen fürchten daher nun um ihr Rating.

Erhöhte Kreditnachfrage

Der Mittelstand wurde vom Aufschwung der Wirtschaft voll erfasst. Das führt zu einer verstärkten Nachfrage nach Krediten, um neue Aufträge vorfinanzieren zu können. Dafür müssen die Unternehmen u.a. auch Geschäftsberichte der vergangenen Jahre vorlegen. In denen haben sich jedoch die Auswirkungen der Krise niedergeschlagen und sind entsprechend schlecht ausgefallen. Daher fürchten nun viele Unternehmen, dass sich dadurch ihr Rating bei den Banken verschlechtern wird und sie entsprechend höhere Zinsen für ihre Kredite zahlen müssen. Im schlimmsten Fall verweigert das Kreditinstitut dem Unternehmen einen Kredit und das trotz der mittlerweile wieder wirtschaftlich guten Situation vieler Mittelständler.

Ratings

Banken und Kreditinstitute vergeben ihre Kredite auf Basis von Ratings. Das sind statistisch-mathematische Verfahren, mit denen das Institut die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls berechnet. Je höher das Risiko für die Bank, desto teurer wird der Kredit. In das Rating fließen neben vielen anderen Daten auch die Geschäftsberichte der vergangenen Jahre ein. Die Banken sind nach den sogenannten Basel-II-Vorschriften zu solchen Prüfungen vor der Vergabe von Krediten verpflichtet, da sich die Höhe des Eigenkapitals der Banken bemisst, mit denen sie ihre vergebenen Kredite unterlegen müssen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kritisiert an den Ratings, dass sie vor allem rückwärts gerichtet sind, dass heißt, einen besonderen Schwerpunkt auf die Vergangenheit legen. Das führt dann zu solchen Situationen, in denen Unternehmen derzeit sehr gut dastehen, aber durch die Wirtschaftskrise schlechte Geschäftszahlen der vergangenen Jahre mit sich ziehen. So kommt es, dass nach einer Umfrage des DIHK drei Prozent aller mittelständischen Unternehmen über Finanzierungsschwierigkeiten und 14 Prozent über verschlechterte Kreditkonditionen klagen.

Transparenz

Das Rating ist und bleibt für viele Unternehmen eine Herausforderung. Um die weitere Finanzierung durch die Hausbank zu sichern, müssen Mittelständler und Unternehmer eine gute Kommunikation mit ihrer Hausbank aufbauen. Im Idealfall pflegen sie bereits eine gute Beziehung zu ihrer Hausbank und können auf das gewachsene Vertrauen bauen.

Die Mittelständler sollten klar kommunizieren, dass das Krisenjahr 2009 eine Ausnahmesituation war. Hilfreich ist auch der Hinweis auf die aktuellen Zahlen und die laufenden Geschäfte, die sich in der Phase des Wirtschaftsaufschwungs besser gestalten als auf dem Höhepunkt der Krise. Aber auch einige Banken haben bereits darauf reagiert und machen ihre Entscheidungen zur Zeit nicht ausschließlich vom Rating abhängig sondern ziehen ergänzende Analysen hinzu. Auch hier kann ein Unternehmen Einfluss nehmen, in dem es mit der Bank zusammenarbeitet und entsprechendes Zahlenmaterial zur Analyse zur Verfügung stellt.

Der Faktor Zukunft

Vergangenheitsbezogene Ratings sind in der aktuellen Phase der Konjunktur wenig zielführend. Um flexibler bei der Kreditvergabe sein zu können, sollten Banken und Kreditinstitute vermehrt den Faktor Zukunft berücksichtigen. Dabei sollten beispielsweise systematisch die individuellen Marktperspektiven eines Unternehmens untersucht werden und deren Ergebnisse in die Kreditentscheidung einfließen. Eine solche zukunftsgerichtete Untersuchung sollte neben Rating und vorhandene Sicherheiten in die Kreditbewilligung einfließen.

Was zu tun ist

Unternehmen, die eine Vorfinanzierung anstehender Aufträge benötigen, sollten sich rechtzeitig informieren, welche Kriterien ihre Hausbank für das Rating heranziehen. Daher ist es sinnvoll zu erfragen, welche Unterlagen und Zahlen die Bank für das Rating benötigen. Sicherlich kann es auch nicht Schaden, wenn das Unternehmen frühzeitig einen Steuerberater oder einen Wirtschaftsprüfer zurate zieht.

Darüber hinaus ist es wichtig, ein gutes Vertrauensverhältnis zur Hausbank und dem Bankberater aufzubauen. Wie oben angedeutet, hilft eine offene und transparente Kommunikation, die Kreditentscheidung zu Gunsten des Unternehmens zu beeinflussen. Beispielsweise sollte der Bankberater auch über den Abschluss eines Großauftrages informiert werden. Aber auch kritische Punkte sollten offen kommuniziert werden und welche Gegenmaßnahmen das Unternehmen bereits dagegen ergriffen hat.

Das Unternehmen sollte außerdem darauf achten, seine Konten bei der Hausbank ordentlich zu führen, denn in der Regel dient die Kontoführung der Bank als Frühwarnsystem. Dazu gehört es auch, dass sich das Unternehmen an Absprachen und Vereinbarungen mit der Bank hält. Weiterhin sollten Unterlagen, die das Rating beeinflussen, unaufgefordert dem Institut zur Verfügung gestellt und aktualisiert werden.

Mittelständischen Unternehmen können auch auf das System der Bürgschaftsbanken zurückgreifen – in Hessen etwa auf die Bürgschaftsbank Hessen (BBH). Über die Bürgschaftsbanken erhalten Unternehmen die benötigten Sicherheiten (Ausfallbürgschaften), die sich positiv auf die Kreditentscheidung auswirken und von Banken und Kreditinstituten sehr gerne gesehen werden.