Warum scheitern Gründer (II)

6. Dezember 2010 von JK

Wer beschäftigt sich schon gerne mit dem (eigenen) Scheitern? Viel beliebter sind doch die Erfolgsstorys im Leben als das Scheitern. Nicht anders ist es auch auf dem Gebiet der Existenzgründung und Selbstständigkeit. Bücher, Storys und Legenden ranken sich immer um den Unternehmenserfolg. Das ist auch gut so – aber es kann nicht schaden, sich auch einmal mit dem Scheitern von Existenzgründung und Selbstständigkeit zu beschäftigen. Die Kunst ist es nämlich auch aus dem Scheitern Anderer Lehren für das eigene Geschäft zu ziehen.

Studie

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat im Auftrag der Bundesregierung Unternehmer in ganz Deutschland zu ihren Schwierigkeiten befragt, die letztendlich zu ihrem scheitern führten. Für die Umfrage wurden Angaben von insgesamt 3.000 Unternehmen analysiert, die zwischen 2006 und 2009 ihre Unternehmungen beenden mussten. Von den Firmenpleiten waren nicht nur Unternehmen betroffen, deren Scheitern der Geschäftsidee bereits von vorneherein abzusehen war. Über 75 Prozent der befragten Unternehmen haben zunächst Gewinn erwirtschaftet, bevor sie scheiterten.

Im ersten Teil dieses Beitrags ging es um die Themen Geldmangel und die falsche Strategie. Im folgenden geht es um Auftragsrückgang, unglückliche Umstände und die Streitigkeiten im Gründerteam.

Auftragsrückgang

Die Faustformel für Existenzgründungen scheint einfach zu sein: Ohne Aufträge kein Umsatz. Befindet sich ein Unternehmen in einer schwierigen Phase, dass heißt Aufträge bleiben aus, setzt ein viel zu beobachtender Mechanismus ein: Die Schuld am Auftragsrückgang wird in der allgemein schwierigen konjunkturellen Lage der Wirtschaft und/oder der Branche gesehen. Doch nicht immer ist die Konjunktur schuld an der mangelnden Auftragslage. Die Studie der ZEW hat gezeigt, dass auch während guter konjunktureller Lagen Aufträge zurück gingen. Daher ist scheint es sinnvoller zu sein, auch die individuellen Schwierigkeiten bei der Auftragsgenerierung der Unternehmen zu betrachten. Häufig war die Produktpalette zu eng oder viel zu weit gefasst, es fehlte an Marktkenntnissen oder am Marketing.

Gründerexperten raten daher dringend sich nicht auf wenige Kunden und ein gut gehendes Geschäft zu verlassen. Erfolgreiche Existenzgründer und Selbstständige halten immer die Augen nach neuen Geschäftsideen, neuen Produkten und Kunden auf. Natürlich müssen sie auch in der Lage sein, mit ihren vorhandenen Kapazitäten die wachsende Nachfrage bedienen zu können. Genauso gefährlich wie zu wenige Kunden ist es, sich zu verzetteln und die Nachfrage nicht mehr bedienen zu können.

Unglückliche Umstände

Es sind nicht immer hausgemachte Probleme, die zum Scheitern der Existenzgründung führen. Gar nicht so selten sind es einzelne Ereignisse, die den Existenzgründer soweit zurückwerfen, dass sie existenzbedrohend werden. Ein einfaches Beispiel: ein großer Auftrag platzt oder der Kunde zahlt seine Rechnung nicht. Gerade bei Existenzgründern kann dies schnell zu einer bedrohlichen Schieflage führen. Ebenfalls existenzbedrohend kann es werden, wenn die Kosten für wichtige Dienstleister oder (freie) Mitarbeiter steigen, auf die man aber dringend angewiesen ist. Wer die gestiegenen Kosten nicht an seine Kunden weitergibt oder weitergeben kann, treibt ganz schnell an den Rand der Pleite zu.

Ebenfalls bedrohlich für Existenzgründer ist steigender Wettbewerbsdruck oder gutes und bezahlbares Personal zu finden. Eine personelle Fehlbesetzung kann für Existenzgründer sehr teuer werden – vor allem wenn die Fehlbesetzung der einzige Mitarbeiter ist.

Streitigkeiten im Team

Teamstreitigkeiten werden in der ZEW-Studie ebenfalls sehr häufig angeführt. Auch in diesem Blog wurde schon über das Für und Wider von Team- und Einzelgründungen geschrieben. Die Umfrage der ZEW bestätigt, dass mehr als ein Drittel ehemals teamgeführter Gründungen an den Streitereien zwischen den Gesellschaftern scheiterten. Bei 15 Prozent der befragten Unternehmen führten ein Wechsel der Geschäftsführung und die Zahlung von Abfindungen bzw. die Auslösung des ehemaligen Gesellschafters zur finanziellen Krise.

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